DAS ZWIEGESPRÄCH
„Ohne Du ist das Ich unmöglich“ Friedrich Heinrich Jacobi 1785
ZWIEGESPRÄCHE: Paare im Gespräch
In diesem Beitrag möchte ich Ihnen eine spezielle Gesprächesform zwischen sich nahe stehenden Menschen vorstellen. Diese Form des Gesprächs entstand ursprünglich aus der Arbeit mit Selbsthilfegruppen und ist als „Hilfe zur Selbsthilfe“ gedacht. Sie findet ihre Anwendung hauptsächlich unter Ehepaaren. Bedenken wir folgendes: Dass wir uns als Paar Zeit nehmen für das Gespräch und dies noch regelmässig tun, ist bei weitem nicht selbstverständlich. Unsere verschiedenen und anspruchsvollen Aufgaben in Beruf, in der Familie und in der Freizeit lassen wesentliche Gespräche miteinander oft auf ein beängstigendes Minimum absinken. Selbst wenn es unser Vorsatz ist, Zeit zum Reden zu nehmen, gibt es dennoch hinderliche Gründe, es nicht zu tun. Zum einen bekunden wir „Sachzwänge“ und Zeitdruck, welche ein wesentliches Gespräch verunmöglichen. Zum anderen aber liegt es oftmals gerade nicht an äusseren Gründen, sondern an uns selber (eigene Ängste, Zweifel etc.).
Ich vermute, dass ich hier über Belange schreibe, die ihnen womöglich vertraut sind oder doch nicht? Werden wir etwas konkreter.
Ich beschreibe diese Gesprächsform anhand Erfahrung mit Ehepaaren, welche diese Methode anwenden:
- Es wird ein verbindlicher Termin von 1 1/2 Stunden Dauer pro Woche vereinbart.
- Sie setzen sich so gegenüber, dass sie Blickkontakt zueinander haben. Sie sollten ungestört bleiben: Keine Telefonate, Kinder schlafen oder sind beschäftigt, keine Getränke, kein Essen.
- Das Thema der Gespräche ist: Ich erzähle dir, was mich gegenwärtig am meisten bewegt; entweder innerhalb oder ausserhalb unserer Beziehung. Die Gespräche haben keinen Offenbarungszwang, deshalb auch schweigen und schweigen lassen.
- Viertelstundenregelung: Jeder bekommt gleichviel Zeit zum reden. Die erste Viertelstunde hat der eine, die nächste der andere und dann nochmals ein doppelter Wechsel. Das Gegenüber macht keine Kommentare, gibt keine Kritik, scheigt und hört aufmerksam zu. Wichtig: Im Gespräch ganz bei sich bleiben und versuchen in Bildersprache zu reden.
Durch die Regelmässigkeit (einmal wöchentlich zur gleichen Zeit) bekommen die Gesprächen von sich aus einen roten Faden. Es entsteht eine Atmosphäre von Vertrautheit und auch Intimität. Zu Beginn ist diese Art der Kommunikation wie eine Art Training. Bleibt das Paar im Gespräch, so wächst auch seine Fähigkeit zum Reden und Zuhören.
Die hier beschriebene Methodik der Zwiegespräche stammt von Michael Lukas Moeller. Er war Psychoanalytiker und Professor für Medizinische Psychologie an der Universität in Frankfurt und begründete die Zwiegesprächsnetze.
Weitere Informationen unter: www.dyalog.de